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Frauenküche

Am 8. März ist „Weltfrauentag“. Frauen in der Gastronomie - ein spannendes Thema. Wie unsere BIOSpitzenköchinnen Andrea Gallotti und Mayoori Buchhalter das in ihrem Berufsalltag erleben, haben wir sie im Interview gefragt.

Liebe Andrea, liebe Mayoori,

ihr leitet eure renommierten Bio-Unternehmen, seid in der regionalen und bundesweiten Bio-Szene stark vernetzt, tretet engagiert für Bio in der Gastronomie ein – und habt auch noch Familie.

Was motiviert Euch an besonders herausfordernden Tagen?

Andrea

Die Gäste, denen man begegnet, die verwöhnt werden wollen und die einen anstrahlen.

Mayoori

Wir sind Restaurant, Club, Kochschule und Akademie und seit neuestem auch Online-Kochschule. Außerdem produzieren wir jetzt Lebensmittel für die Außer-Haus-Lieferung. Das bedeutet: Viele Tage sind eine Herausforderung, weil es viele Aufgaben für uns gibt. Das sind zum Beispiel neue Ideen für Gerichte, die die Immunkraft stärken. Aber auch Erwartungen von Mitarbeitenden. Was mich motiviert ist die Herausforderung das zu meistern. Ich will es einfach schaffen – das motiviert mich.

Wie schätzt ihr die Situation ambitionierter Köchinnen in der Gastro-Szene ein? Und wie erlebt ihr das in Eurem Arbeitsalltag?

Andrea: Man kann als Köchin viel bewegen, als weibliche Person in der Gastronomie. Traditionell ist die Gastronomie männlich dominiert. Was ich aber sehe ist, dass gemischte Teams ganz viele Vorteile bringen. Der Druck wird anders verarbeitet, die Stimmung ist besser. Anders, als wenn Männer in der Mehrzahl sind. Klar ist: In der Küche hast du jeden Tag Adrenalin-Kicks, die Spannung ist hoch, es gibt eine klare Hierarchie. Als junge Frau stehst du da erst mal unten. Wenn eine Frau aber ein klares Ziel vor Augen hat, dann hält sie nichts mehr auf.

Mayoori

Ambitionierte Köchinnen müssen sich selbstständig machen. Sie müssen ein Team oder ein Netzwerk finden, in das sie hineinpassen. Die Gesellschaft ist im Wandel, das kann eine Chance sein – wenn ein Betrieb es zulässt. In meinem Alltag erlebe ich Frauen als flexibel und aufgeschlossen für Neues. Das mussten Frauen ja immer schon sein. In der Akademie sehen wir überwiegend Frauen. Sie fragen sich: Kann ich für meine Ernährung und Gesundheit etwas Gutes tun. Über diese Themen sind auch wir, im Team aus überwiegend Frauen, uns einfach sehr einig. Und wir haben bei der Arbeit unheimlich viel Spaß zusammen.

Denkt ihr, dass sich in der jungen Food-Szene an den Chancen für Nachwuchs-Köchinnen etwas geändert hat? Auch die BIOSpitzenköche wünschen sich mehr weibliche Mitglieder. Und spielt Bio oder der „Bio-Spirit“ eine Rolle dabei?

Andrea

Insgesamt sind wir gerade an einem Punkt, an dem es viel mehr Möglichkeiten für Frauen gibt. Denn genau bei Themen wie Bio, dem Sinn von Nachhaltigkeit und Sinnlichkeit sind Frauen einfach gut ausgestattet. Sie haben dazu einen leichteren Zugang. Und das sind die Themen, die die Gesellschaft gerade sucht. Die auch junge Menschen auf dem Weg in die Zukunft gerade suchen. Und die deshalb schnell öffentlich sichtbar werden. Frauen werden also mehr gehört und das ist eine gute Chance für junge Köchinnen.

Mayoori

Da ändert sich gerade etwas, weil Aspekte wie Regionalität und Saisonalität, vegane oder vegetarische Ernährung und Bio in Bezug auf Themen wie Tierwohl und Klimawandel eine viel größere gesellschaftliche Rolle spielen. Außerdem lassen Kunden sich auf Experimente ein und unterstützen sie. Auf andere Formen der Zusammenarbeit wie Fundraising oder Genossenschaften. Das passiert auch in der Food-Szene. Deshalb haben Nachwuchsköchinnen gute Chancen. Frauen sind super im Netzwerken und gut darin, sich Unterstützung zu holen. Für sie geht es um die Sache und um die gute Zusammenarbeit.

Welchen Tipp habt Ihr für Frauen, die in der Gastronomie durchstarten wollen?

Andrea

Das wichtigste ist das Netzwerken. Ich habe mich oft bei dem Gedanken ertappt, was soll denn bei diesem oder jenem Treffen rauskommen. Tatsächlich ist es aber das A und O. Sich zu zeigen, außerhalb des eigenen Betriebs. Leider läuft das Networking noch immer fast nur abends. Das macht das sowieso schon herausfordernde Familienleben neben der Gastro-Karriere noch schwieriger. Geduld zahlt sich hier aus. Die meisten Events wiederholen sich ja jährlich.

Mayoori

Mein Tipp ist: Nach Nischen gucken. Und Bio ist immer noch eine Nische. Weiterbildung ist wichtig. Nur eine Kochausbildung reicht nicht. Sie müssen sich spezialisieren, Fachfrauen werden, Netzwerke finden, die Unterstützung bieten. Außerdem sollten sie nach Betriebsformen suchen, die unterstützend sind. Ich meine damit ganzheitliche neue Konzepte, wie sie beispielsweise in einigen Bio-Hotels zu finden sind. Mein Rat ist: Frauen traut euch, in der Gastronomie die ungewöhnlichen Wege  zu gehen.

Foto: Caroline Attwood/Unsplash

BIOSpitzenköchin Andrea Gallotti. Foto: Erasmus

Andrea Gallotti

Andrea und Marcello Gallotti führen das Bio-Restaurant „erasmus“ in Karlsruhe. Andrea ist Absolventin der Universität der Gastronomischen Wissenschaften in Pollenzo (Italien), gelernte Köchin, staatlich geprüfte Fachkraft für die Landwirtschaft und ausgebildete Sommelière. Als einem der ersten Restaurants in Deutschland hat der Guide Michelin 2020 dem erasmus einen „grünen Stern“ verliehen. Diese Auszeichnung erhalten Restaurants, in deren gastronomischen Konzept Nachhaltigkeit ein fester Bestandteil ist. Und auch in diesem Jahr (2021) gibt es wieder einen grünen Stern für Andrea und Marcello. Seit 2018 sind die Gallottis Mitglieder der BIOSpitzenköche. Mehr über Andrea, Marcello und ihr schönes Restaurant erfährst du hier.

 

 

BIOSpitzenköchin Mayoori Buchhalte. Foto: Martin Scherag © BioGourmetClub

Mayoori Buchhalter

BIOSpitzenköchin Mayoori Buchalter ist Inhaberin der Kölner „BioGourmetClub Kochschule & Akademie“. Ihr Spezialgebiet sind die fünf Elemente Küche und die ayurvedische Küche. Gemeinsam mit ihrem Team entwickelt Mayoori Kochkurse, Aus-und Weiterbildungen, Teamevents und Gesundheitstage für Unternehmen sowie Rezepte und Produkte für Bio-Unternehmen. Sie war in mehr als zehn TV-Kochsendungen und Online-Kochshows vertreten, hat an internationalen Kochwettbewerben teilgenommen und mehrere Kochbücher veröffentlicht.