Kinder, jetzt kochen wir!

Alle zuhause? Für Kinder ist das jetzt manchmal ganz schön langweilig, für Eltern heißt das ganz schön viel kochen. Warum das gut zusammenpasst und wieso es richtig gut ist, wenn Kinder früh mit dem Kochen anfangen, erklärt uns BIOSpitzenkoch Dr. Harald Hoppe im Interview.

BIOSpitzenkoch schon seit 2003: Dr. Harald Hoppe. Foto: Marcus Gloger © BLE

Harald ist Experte in Sachen Kinderernährung. Vor allem, wenn es um Bio geht. Denn, der promovierte Agraringenieur untersucht seit mehr als 30 Jahren die Qualität ökologischer Lebensmittel und ihre Wirkung für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden. Mit seinem Catering-Unternehmen „biond“ hat er viele Jahre lang Schulen und Kindertagesstätten mit 100 Prozent Bio-Verpflegung beliefert. Dass Kinder gerne kochen, hat Harald als Ernährungsberater oft erlebt. Und auch, dass darin viele Chancen für ihre zukünftige, gesunde Ernährung stecken. Also dann: Ran an die Kochtöpfe!

Lieber Harald,

  1. Wie sind Deine Erfahrungen, wenn Du mit Kindern kochst?

Das klappt super, vor allem mit Kita- oder Grundschulkindern. Da sind die Begeisterung und die Neugier groß. Sie mögen alles, was Action ist: Gemüse schnippeln, Gewürze in Töpfe rühren.

  1. Gibt es eine Altersgrenze fürs Einsteigen?

Nach meiner Erfahrung liegt die Einstiegsgrenze bei zwei oder drei Jahren.

  1. Mal vom Spaß abgesehen, warum ist es sinnvoll, mit Kindern zu kochen?

Weil dann die Chancen gut stehen, dass sie später selber und gesund kochen. Wir sehen ja, dass ernährungsbedingte Krankheiten zunehmen. Ich denke es liegt daran, dass Kinder die Kette frischer Lebensmittel vom Acker bis auf den Teller nicht kennen lernen. Zuhause wird weniger gekocht, oft gibt es Fertigprodukte. Die enthalten viele Zusatzstoffe, Zucker, Salz, Farbstoffe, Konservierungsstoffe. Der natürliche Geschmack und oft auch die Gesundheit bleiben auf der Strecke. Damit Kinder diese Zusammenhänge quasi spielerisch verstehen, sollten sie schon früh in den ganzen Prozess des Kochens eingebunden werden.

  1. Wer sucht die Rezepte aus, Eltern oder Kinder?

Am besten gemeinsam. Es ist wichtig, Kinder schon bei der Auswahl emotional abzuholen. Dann bleiben sie mit Begeisterung dabei. Je älter die Kinder sind, desto mehr eigene Vorstellungen haben sie. Ideal finde ich, wenn Kinder schon alles mit einkaufen und sehen, dieses Lebensmittel kommt aus dem Gemüseregal, jenes aus dem Tiefkühler oder aus dem Kühlschrank. Oder noch besser, von welchem Acker oder Bauernhof es kommt.

  1. Wie kann ich Kinder unterschiedlichen Alters beim Familien-Kochen einbeziehen?

Am besten mit unterschiedlichen Jobs: Die Jüngeren schneiden weiche Sachen wie Gurken und Salat, die Älteren Zwiebeln und Möhren. Kleiner Spaß-Tipp: Kinder finden es witzig, beim Zwiebelschneiden, eine Tauchermaske aufzusetzen. Das bietet sogar auch Schutz, denn Kinderaugen sind viel empfindlicher, als die von Erwachsenen.

  1. Sollte ich etwas vorbereiten – oder einfach auf die Plätze fertig los?

Ich würde nichts vorbereiten. Kleines Beispiel aus meinem Alltag, auch wenn es hier ums Backen geht und nicht ums Kochen. Womit wir Kinder sehr begeistern ist, wenn wir gemeinsam Brötchen backen. Und zwar von Anfang an. Wir nehmen das volle Korn, mahlen die rohen Getreidekörner in der Mühle, trennen die Kleie durch sieben vom hellen Mehl. Die Kinder lernen: In der Schale des Korns stecken die meisten Vitamine und Mineralstoffe. Wir backen also Vollkornbrötchen und selbst die Kinder, die sonst nur süße oder helle Weizenbrötchen essen, sind begeistert.

  1. Dein ultimativer Tipp, um Vitamine und andere Nährstoffe in Kinderrezepte zu schmuggeln

Es stimmt, viele Kinder essen nicht gerne Gemüse. Frischer Spinat oder Brokkoli, das lehnen viele ab. Was fast immer funktioniert sind gemeinsam geschnittene Gemüse-Sticks aus Möhren, Paprika oder anderen Gemüsen. Dazu ein leckerer Joghurt-Dipp. Oder pürierte Gemüse in Gerichte reinzuarbeiten zum Beispiel pürierte Möhren in eine Bolognese-Sauce. Auch toll: Kartoffelpüree mit Möhren oder Kürbis oder Erbsen. Alle drei Gemüse schmecken leicht süß. Ich koche alles zusammen, möglichst vitaminschonend in wenig Wasser, und passiere dann durch ein Sieb. Es geht auch mit Zauberstab oder Smoothie-Mixer, oft wird es dann aber eher klebrig. Dazu ein wenig Milch, Sahne oder Butter – lecker!

  1. Dein ultimatives Lieblings-Rezept für die gemeinsame Kinderküche?

Die Gemüse-Sticks, aus folgendem Grund: Besonders kleinere Kinder mögen oft keine bunt gemischten Sachen, wie zum Beispiel bunte Salate. Sie sortieren das auf dem Teller wieder auseinander. Mit den selbst gemachten Sticks lernen sie ganz spielerisch den neuen und ungewöhnlichen Geschmack verschiedener Gemüse kennen. Auch super: Spaghetti mit Gemüse-Bolognese.

  1. Und Dein Geheimtipp für die gemeinsame Osterküche?

Traditionell endet die Fastenzeit ja mit dem Osterfrühstück am Sonntag. Deshalb gibt es von mir ausnahmsweises einen Tipp für süße, weiche Osterbrötchen, mit oder ohne Rosinen. Und, ohne bunt gefärbte Ostereier geht es ja auf keinen Fall. Dafür nehme ich weiße Bioeier und färbe sie mit Naturfarben: Kurkuma für gelb, Rote Bete für rot und die dünne äußere Schale von Zwiebeln für braun. Zum Schluss reibe ich sie mit ein wenig Pflanzenöl ein, damit sie schön glänzen.

Schöne Ostern und viel Spaß beim gemeinsamen Kochen.

 

Kochen mit Kindern: Haralds 5 Tipps zur Sicherheit

 

  1. Schneiden mit Messern: Grundsätzlich: Kinder und Messer nur unter Aufsicht. Kinder sind oft viel geschickter, als die Besorgnis ihrer Eltern es vermuten lässt. Für die Schneidejobs verwende ich dennoch nur ziemlich stumpfe Küchenmesser. Tomate oder Möhre? Schneidet sich unterschiedlich! Wie, das muss man unbedingt zeigen. Auch, dass immer vom Körper weg geschnitten wird.

 

  1. Schälen mit Sparschälern Eine große Möhre in der Hand von Kindern – das ist ganz schön schwierig. Einfacher geht es, wenn man die Möhre auf einem Schneidebrett fest andrückt und dann mit dem Sparschäler vom Körper weg die Schale herunterschält.

 

  1. Sicherer Tritt – Guter Halt: Herd oder Tisch sind zu hoch? Dann hilft ein standsicherer Tritthocker. Auf keinen Fall rauf auf wackelige Stühle. Ein robuster Tritthocker ist für das Kochen mit Kindern immer eine gute Anschaffung. Oft sind sie mit ihrer Größe genau auf Augenhöhe, wenn es beim Anbraten in Pfanne oder Topf spritzt. Grundsätzlich gilt: Küchenarbeiten mit heißen Pfannen und Töpfen gehören zu den Jobs für ältere Kinder oder Eltern.

 

  1. Niemals ohne (Turn)schuhe: In Socken oder barfuß sind kleine und große Füße nicht vor Verbrühung durch heißes Wasser oder Verbrennung mit heißem Fett geschützt.

 

  1. Mit Kochschürze und Topfhandschuhen: Eine gute Schürze aus dickem Leinen schützt nicht nur vor Flecken, sondern auch vor Verbrühungen oder Verbrennungen. Wichtig sind auch gute Topfhandschuhe zum Beispiel mit hitzebeständigem Silikon.

HARALDS REZEPTE

Süße Osterbrötchen mit Rosinen

Von BIOSpitzenkoch Dr. Harald Hoppe

500 g Weizenmehl zum Beispiel 250 g 550er und 250 g 1050

80 g Zucker

250 ml warme Milch

etwas gemahlene Biovanille oder Vanillezucker

60 g Butter

50 bis 100 g Rosinen

1 Päckchen Trockenhefe oder ½ Würfel Hefe

1 Prise Salz

Eigelb oder Milch zum bestreichen

Zubereitung:

Die Hefe mit dem Zucker mischen und 5 Minuten „anspringen“ lassen. Warme Milch, Mehl, Vanillezucker und Salz unterrühren. Erst am Schluss die zerlassene aber nicht heiße Butter zugeben und ausgiebig kneten. Da nicht alle Kinder Rosinen mögen, Teig halbieren und unter eine Hälfte die Rosinen kneten. Ca. 30-60 Minuten an einem warmen Ort (ca. 25-30 °C zum Beispiel im Backofen, der mit Lampe beheizt wird) abgedeckt gehen lassen, bis der Teig ca. die doppelte Größe hat. Brötchen von 50-100g Größe formen und auf ein Backblech geben. Eventuell Backpapier verwenden. Mit Eigelb oder Milch bestreichen und etwas einschneiden. Nochmals 15 bis 30 Minuten gehen lassen, bis sie schön aufgegangen sind. Bei 200 Grad oder 180 Grad Umluft ca. 20 bis 30 Minuten backen.

Haralds Gemüse-Bolognese

für 4 Personen

1 mittelgroße Zwiebel 100g

1 Knoblauchzehe

1 mittelgroße Möhre 100g

2 EL Olivenöl

100 ml Wasser

1 kleine Dose Tomaten gewürfelt 400g

2-3 frische Tomaten 200g

Salz, Pfeffer

1/2 TL Oregano getrocknet

¼ TL Thymian

1/2 Bund frischer Basilikum

30 ml Sahne

1 TL Zucker oder Honig

zur Abrundung wenn vorhanden: ¼ TL Fenchelsamen, Messerspitze Koriander und  Kreuzkümmel gemahlen, geriebener Parmesan oder anderer Hartkäse

400-500g Spagetti, Wasser, Salz, 1 EL Butter, 1 EL Olivenöl

Zubereitung:

Wasser für Spaghetti aufsetzen. Für 4 Personen ca. 400-500g Spaghetti. Je 100g Spaghetti ca. 0,75 bis 1  Liter Wasser. Je Liter Wasser einen TL Salz (10g). Zwiebel und Knoblauch schälen und fein würfeln, Möhre unter Wasser abbürsten oder schälen und fein reiben. Beides in Öl langsam im Topf rösten, damit Röstaromen entstehen. Mit Wasser ablöschen und bei kleiner Flamme dünsten bis das Wasser fast verdampft ist (ca. 5-10 Min.). Dosentomaten, Gewürze und Zucker zufügen. Aufkochen und ca. 10 Min. bei kleiner Flamme ohne Deckel köcheln lassen. Gleichzeitig die Nudeln ins kochende Wasser geben. Gewürfelte Tomaten und Sahne zufügen und abschmecken. Wem die Sauce zu flüssig ist, mit 1-2 TL Speisestärke, in etwas kaltem Wasser verrührt, abbinden. Erst kurz vor dem Servieren den fein geschnittenen Basilikum unterrühren. 2-3 EL Basilikum zur Dekoration der Teller zurück behalten. Nudeln nach Angabe des Herstellers kochen, abgießen und einen Esslöffel Butter und 1 EL Olivenöl unterrühren. Zusammen mit Basilikum und Parmesan auf tiefen Tellern anrichten.