Vollwertküche mit Alpenblick

In prominenter Hanglage am Nordwestufer des Bodensees, liegt die Kurpark-Klinik Überlingen. Hier ist das Reich von BIOSpitzenkoch Hardy Lang. Hardy ist seit 2013 Küchenchef in der renommierten Fachklinik für ernährungsabhängige Krankheiten. Warum er in seiner Küche auf Bioprodukte setzt und wie man ein wenig „Vollwert“ in den Alltag holt, erklärt der Küchenmeister, diätisch geschulte Koch und Vollwertkoch hier im Interview.

In der Kurpark-Klinik Überlingen wird die Ernährungstherapie als Schwerpunkt in das medizinische Therapiekonzept eingebunden. Schon seit über 40 Jahren setzt das Konzept auf eine genussvolle Vollwerternährung. Kurz gesagt bedeutet das: viele frische und gering verarbeitete, überwiegend pflanzliche Lebensmittel aus der Region, in der Saison – und aus ökologischem Landbau. Seit 2005 ist die Kurpark-Klinik biozertifiziert. Gäste genießen also nicht nur den herrlichen Blick auf die Alpen, gesunde und köstliche Biogerichte, sondern lernen in der Lehrküche der Klinik auch, sie selber zu kochen. „Ich zeige unseren Patienten, dass gesunde Ernährung und Bio zusammengehören“, sagt Hardy.

 

Hardy, warum setzt Du in Deiner Klinikküche auf Bioprodukte?

Bioprodukte stehen im Einklang mit der Natur und sie schmecken häufig viel besser. Sie haben einen intensiveren Geschmack, der Schadstoffgehalt ist gering und Rückstände chemischer Pflanzenschutzmittel quasi bei null.

Welche Eigenschaften von Bioprodukten unterstützen die Ernährungstherapie in der Klinik?

Biogemüse ist reicher an Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen wie Flavonoiden und Carotinoiden. Auch ist der Gehalt der Spurenelemente deutlich höher. Wir haben viele Patienten mit Stoffwechsel- und entzündlichen Erkrankungen, die davon profitieren, dass biologische Lebensmittel schadstoffarm, nährstoffreich und wohlschmeckend sind. Hinzu kommt, dass Salate, frische Kräuter, Gemüse und Obst in unserem Körper entzündungshemmend wirken. Ich versuche weitestgehend Bioland, Naturland oder Demeter Produkte einzusetzen, da die Ansprüche dieser Bioanbauverbände sehr hoch sind. Bei Fleisch zum Beispiel, liefern uns Bioland-Rinder, die ganzjährig auf den Weiden in offenen Stallungen stehen, ein deutlich besseres Fettsäureprofil.

Für welche Herausforderungen bei der Ernährung eignen sich Bioprodukte besonders? Wie sieht es zum Beispiel mit Nahrungsunverträglichkeiten aus?

Zum Beispiel in der Krebsnachsorge reagieren Patienten sehr sensibel und auch bei Autoimmunerkrankungen stehen unbelastete Lebensmittel für uns an vorderster Stelle. Mit Biofleisch vermeiden wir zum Beispiel Antibiotikarückstände im Fleisch. Und, biologisch angebaute Lebensmittel eignen sich besonders für eine Nahrungsumstellung nach einer Heilfasten-Phase. Nach dem Fasten ist der Geschmackssinn besonders sensibel und die verschiedenen Aromen werden intensiver wahrgenommen. Wir setzten in dieser Phase auf den guten Geschmack von Bioprodukten, um für eine grundsätzliche Umstellung auf Bio- und Vollwerternährung zu motivieren.

Gibt es geschmackliche Argumente für den Einsatz von Bioprodukten in Deiner Vollwertküche?

Hier bleiben wir einfach mal beim Produkt: Tomaten, frische Kräuter, Karotten, Kartoffeln und Äpfel schmecken uns in Bioqualität einfach besser.

Gibt es Gemeinsamkeiten der Grundprinzipien des ökologischen Landbaus und einer bewussten Vollwert-Ernährung, wie zum Beispiel natürliche Kreisläufe oder Zeit für Reifeprozesse?

Ich denke ja. Regional zu essen bedeutet zum Beispiel, die Früchte sind reif und die Aromen voll ausgebildet. Hier unterscheidet man die Pflück- und die Genussreife. Lebensmittel, die man in der Pflückreife erntet, werden unreif in alle Welt verschickt. Erntet man bei Genussreife hier bei uns vor Ort, sind die Aromastoffe und die sekundären Pflanzenstoffe voll ausgebildet. Aromastoffe bilden sich nach der Pflückreife oftmals nicht weiter aus. Saisonal zu essen, bedeutet zum Beispiel in Herbst und Winter eine ausgewogene Ernährung mit Kohl, Kraut und Hülsenfrüchten. Dadurch haben wir eine verbesserte Immunlage des Körpers.

BIOSpitzenkoch Hardy Lang. Foto: Marcus Gloger ©BLE

Welche Ernährungstipps aus der Deiner Klinik-Bioküche können wir im Alltag gut umsetzen?

Ein hoher Konsum von frischem Gemüse, Obst, Kräutern und Salat. Wir sagen fünf Portionen, gleich fünf Hände, täglich etwa ein Kilo. Dafür starten wir schon morgens im Müesli mit Früchten, um auf das Kilo hinzuarbeiten. Dann sollten regelmäßig Hülsenfrüchte in den Speiseplan, ideal sind drei Mal pro Woche 50 bis 70 Gramm. Und der tägliche Konsum von Vollkorngetreide und Vollkornprodukten, nicht gerösteten und ungesalzenen Nüssen sowie die Verwendung von nativen Ölen.

 

100 Prozent Bio in einer Klinikküche umzusetzen, was bedeutet das für Euren Küchenalltag?

Einige kleine Einschränkungen haben wir: 100 Prozent Bio würde bedeuten, dass unsere Gerichte mit Fisch, Wild und Wildgeflügel ausgeschlossen wären, da sie nicht zertifiziert werden können. Für alles andere bedeutet es eine umfassendere Planung und dass wir Rezepte nach Jahreszeiten erstellen. Manchmal kann der Einkauf auch nicht regional sein.

 

Denkst Du, dass mehr Bio in Großküchen, auch in der Außer-Haus-Verpflegung also in Kantinen oder auch in Restaurants, eingesetzt werden sollte?

Ja, dafür bin ich natürlich. Ich denke, für eine Umstellung muss man sich die Prozesse und das Angebot seiner Küche genau anschauen und dann entscheiden, wie man am besten einsteigt. Bleiben wir beim Beispiel Fleisch: Wir arbeiten in der Vollwertküche mit sehr reduzierten Portionsmengen, maximal drei Portionen Biofleisch pro Woche mit jeweils einem Rohgewicht von 100 Gramm. Das schafft uns finanziell den Raum, auch hochwertiges Obst und Gemüse in Bioqualität einzukaufen. Hier gehen also Ernährungskonzept und Wareneinkauf Hand in Hand: hohe Qualität, gesunde Lebensmittel und Kosten stehen im angemessenen Verhältnis. Ein weiterer Effekt der Ernährungsumstellung zu weniger Fleisch ist, dass wir besser mit natürlichen Ressourcen wie Boden und Wasser umgehen. Für ein Kilo Rindfleisch werden beispielsweise rund 15.000 Liter Wasser und zwischen vier und neun Kilo Getreide verbraucht.

 

Machst du etwas anders, wenn Du „privat“ kochst?

Ich genieße das Essen in der Klinik und koche selten zuhause. Aber wenn, dann sehr ähnlich wie dort. Ich starte auf jeden Fall zum Beispiel mit Müesli und frischem Obst in den Tag.

Hast Du denn auch ein schnelles, einfaches und leckeres Rezept für unsere Leserinnen und Leser?

Ja, da empfehle ich einen Linsenauflauf und der geht so:

Rezept

200 g Berglinsen über Nacht einweichen und am nächsten Morgen zehn Minuten kochen.

3 mittelgroße Karotten,1 Zwiebel, eine Stange Lauch und 2-3 Knoblauchzehen in kleine Würfel schneiden und mit 1 Esslöffel Olivenöl anschwitzen, mit etwas Gemüsebrühe aufgießen und etwa. 10 Minuten dünsten.

3-4 Blättchen Majoran oder Liebstöckel fein hacken

Alle Zutaten, also die Linsen und das Gemüse mit 150 g saurer Sahne, 150 g Joghurt vermischen und mit 1 TL Salz, 2 TL Essig und Pfeffer aus der Mühle abschmecken.

Die Linsen-Gemüsemischung in eine ausgefettete Auflaufform füllen, mit 75g Bergkäse bestreuen und bei 180 Grad Heißluft etwa 20 Minuten im Ofen backen.